E-Learning - schwedenschanze2

Schwedenschanze
Website des Schwedischlehrers am Sprachenzentrum der Hochschule Stralsund
Schwedenschanze
Website des Schwedischlehrers am Sprachenzentrum der Hochschule Stralsund
Schwedenschanze - Website des Schwedischlehrers der HS Stralsund
Schwedenschanze - Schwedisch an der HS Stralsund
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

E-Learning

Verschiedenes
Einleitung

Anfang April 2017 nahm ich an einer Weiterbildungsveranstaltung zum Thema E-Learning / Blended Learning im Sprachunterricht teil.
Diese Veranstaltung und meine Überlegungen dazu fasse ich in folgendem Bericht zusammen.
Eine kurze Kurs-Reflektion anhand dreier vom Kursleiter vorgegebener Fragen findet sich hier.


~~~~~~~~~~
Vor dem Kurs

Die Kurs-TN wurden gebeten, sich in einer Lernplattform anzumelden und im dortigen Forum sich selbst sowie ihre Erwartung an den Kurs vorzustellen. Ich tat dies mit folgendem Beitrag, den ich hier in leicht gekürzter Form wiedergebe, weil er Vorkenntnisse und Herangehensweise offenlegt.

Vielen Dank für die freundliche Begrüßung!

Ich heiße Georg Müller, bin 41 Jahre alt und unterrichte Schwedisch und DaF seit 17 Jahren an Unis und Hochschulen hier im Nordosten. Viele Beschäftigungsformen sind mir bekannt und vertraut, ich war erst studentischer Tutor, später viele Jahre Honorarkraft (=Lehrbeauftragter) und bin momentan in Teilzeit und z.T. befristet angestellt. Ein Jahr lang habe ich in Schweden gelebt und gearbeitet.

Nach der Schule war ich mir sicher, dass ich garantiert nie Lehrer werden möchte. Mit etwas Distanz ändern sich Perspektiven. Anderen Menschen etwas derart Nützliches und Wertvolles wie eine neue Sprache vermitteln zu dürfen, erlebe ich als in schönster Weise herausfordernd und als tief sinnvoll und befriedigend, wenn es gelingt.
[...]

Mein Verhältnis zu E-Learning, Blended Learning, Mobile Learning etc.

Einerseits:
Ich bin sehr technik- und medienaffin und setze in meinen Kursen seit Jahren vieles ein, was vermutlich unter die obenstehenden Begriffe zu fassen wäre. Meine Werkzeuge:
    
      • Website mit offenen Inhalten und PW-geschützten Bereichen
      • selbst erstellte Lehr-/Lern- und Übungsmaterialien mit Links zu öffentlich verfügbaren oder selbst erstellten Medien
      • ein paar Videotutorials/Screencasts (experimentell, kamen gut an aber sind sehr zeitaufwändig)
      • gut gepflegte Email-Verteiler
      • Flachbettscanner zur Überwindung der analog-digital-Grenze
 

Mit diesen Werkzeugen konnte ich bisher alles umsetzen, was ich möchte -- und zwar schnell und effizient.

Aktuell arbeite ich neben meiner Lehrtätigkeit an zwei neuen Projekten:
      • Umstellung meiner Website auf responsives Webdesign, um die Benutzbarkeit auf Tablets und Smartphones zu verbessern [erledigt]
      • Erstellung mobiler Lerninhalte (lehrwerkspezifischer Input für eine Vokabel-App) in Abstimmung mit einem Verlag
 

Andererseits:

(1) Ich bin skeptisch gegenüber unnötig komplizierten und verkomplizierenden Herangehensweisen an eigentlich simple Vorgänge in der digitalen Welt. Ich konnte (für meine Arbeit in Präsenzkursen) bisher noch nicht den häufig behaupteten Mehrwert von Lernplattformen wie Ilias oder Moodle nachvollziehen. Ich habe da bisher nichts gesehen, was ich nicht mit meinen oben aufgeführten Werkzeugen wesentlich einfacher, schneller und besser hätte umsetzen und erreichen können. Um Material mit diversen Zugangsrestriktionen online zu deponieren und um Kurse zu administrieren, braucht es keine proprietäre und hochkomplexe Maschinerie wie Ilias oder Moodle, sondern lediglich Webspace und Email.

(2) Ich beobachte, dass Buzzwords wie E-Learning häufig genau dann [...] aufgerufen werden, wenn es um beabsichtigte Personal- und Kosteneinsparung geht. Das ist im besten Fall eine von Sachkenntnis wenig getrübte Illusion. Die ernstgemeinte und professionelle Implementierung und Umsetzung von E-Learning ist enorm zeitaufwändig und definitiv nicht geeignet, um Kosten und Personal einzusparen.

Meine Erwartungen an den Kurs
      • Erwerb neuer und zusätzlicher Kenntnisse, Fähigkeiten und Perspektiven
      • Abbau von Vorbehalten gegenüber Lernplattformen :)

Ich freue mich auf den Kurs!
 

Außer dieser Vorstellung waren zwei kurze Youtube-Videos anzuschauen und zwei Artikel zu lesen.
Die Youtube-Videos dienten zur Klärung der Begriffe Open Educational Resources (OER) und Bring Your Own Device (BYOD).
Die Artikel dienten zur Klärung der Begriffe Flipped Classroom und Massive Open Online Course (MOOC).
~~~~~~~~~~
Kurstag_1

Der erste Kurstag war im Wesentlichen der Vorstellung und Erprobung verschiedener Online-Tools gewidmet.

Zunächst erhielten die TN die Aufgabe, sich paarweise vorzustellen und steckbriefähnliche Beschreibungen auf https://de.padlet.com/ anzulegen, einer Art Pinnwand.
Es folgte in der Lernplattform ein Multiple-Choice-Test zu den Videos und Artikeln aus der Vor-Kurs-Phase.
Anschließend ging es um verschiedene Formen der Creative-Commons-Lizenzen, die bei der Verwendung und Erstellung von OER eine zentrale Rolle spielen.

Das sind die Online-Tools, die im Verlaufe des ersten Tages vorgestellt und erprobt wurden:

Das ist die kollaborative Kursmitschrift des ersten Tages, vorstrukturiert vom Kursleiter und gemeinsam erstellt von allen TN:

Flipped Classroom ("umgedrehtes Klassenzimmer")
Was ist das?
Theorie- und Grundlagenvermittlung wird mittels Video oder Screencast ausgelagert aus der Präsenzphase. Anschließend wird in der Präsenzphase in Gruppenarbeit (idealerweise nach Kooperativem Lernen) das Wissen transferiert, angewendet und erweitert.

Vorteile:
Präsenzzeit besser nutzbar für Training, prakt. Anwendung und Übung; mobil verfügbar; wiederholbar; Binnendifferenzierung. In der Gruppenarbeit finden sich in der Regel ausreichend Lernende, die schwächeren Lernenden helfen, so dass der/die Lehrende nicht der alleinwissende "Sage on the Stage" ist sondern der "Guide on the Side" wird ...
SchülerInnen, die noch Probleme mit der deutschen Sprache haben, können sich die Lernvideos mehrfach anschauen
leistungsstarke SchülerInnen können selber Lernvideos für schwächere SchülerInnen drehen (z. B. mit Screencast-o-matic) und diese dann zur Verfügung stellen
Man kann die Plattform mit den Lernmaterialien kontinuierlich optimieren und das ohne viel Aufwand (SchülerInnen können auch Vorschläge für geeignete Materialien einreichen)
Lehrkräfte arbeiten zusammen, um Flipped Classroom Angebote zu erstellen

Nachteile/Problem:
Wie ist zu gewährleisten, dass alle die Lernvideos vorbereitend anschauen?
Das Selbererstellen von Lernvideos ist extrem zeit- und resourcenaufwändig.

MOOC
Was ist das? Massive Open Online Course
"Bildung für alle" - mit Internetzugang Vorträge, Seminare, Lesungen, u.Ä "besuchen" zu können, ohne "physische" Anwesenheit, dabei Wissen erwerben, das sonst (ursprünglich, klassisch) begrenzt zur Verfügung stand (nur für Studierenden, usw.) ; auch Prüfungen ablegen
große Teilnehmerzahln > 150 (massive)
keine Zulassungsbeschränkung (open)
Kursraum im Netz (online)
als Kurs bzw. Lehrveranstaltung konzipiert (course)
Vorteile:
"kostenloser" Wissenserwerb, besonders geeignet für die, die starkes Interesse an Weiterbildung ohne Verpflichtung haben
jede/r mit Zugang zum WWW kann teilnehmen
Nachteile/Problem:
reine MOOCs kaum für FS-Vermittlung nutzbar, da keine "massiven" sprachpraktisch-mündlich-produktiven Trainings- und Übungsphasen mit Feedback möglich
(MOOC = monodirektional)
Für das Trainieren von Hör und Leseverstehen gibt es allerdings gute Modelle (z.B. Sprachlernsoftware wie Rosetta Stone)
Es gibt hohe Abbrecherquoten. Starke Eigenmotivation bei nicht moderierten MOOCs notwendig und gute Zeitplanung.
Verifikation/Anerkennung von Prüfungsleistungen
Laut Studien nutzen fast nur Akademiker ab 35 Jahren diese Kurse, "bildungsferne" Menschen werden nicht erreicht,
Qualitätsmanagement   

BYOD (Was ist das? Vorteile, Nachteile/Probleme?)
Was ist das?
Bring your own device
-> SchülerInnen sollten ihre eigenen Geräte (Laptops, Tablets, Smartphones usw) in die Schule bzw. Klasse mitbringen und aktiv im Unterricht benutzen. Natürlich sollte der/die Lehrende den ganzen Prozess betreuen bzw. moderieren können.
Vorteile:
-  man muss den Computerraum nicht im Voraus buchen
- man kann den Lehrprozess synchronisieren und das ist genau hilfreich, wenn z.B. ein Schüler an dem Tag fehlt
- Modernisierung des Lehr- und Lernprozesses
- die SchülerInnen finden das lustiger und anziehender im Vergleich zu den älteren Unterrichtsmethoden
- man wird dadurch motiviert werden, selbst allein zu Hause weiterzulernen
- es besteht eine große Vielfalt von Anwendungen bzw. Lehrplatformen, die verwendet werden können (z.B. Padlet, GoogleDrive, Dropbox, Quizlet, Moodle), und die alle können natürlich auch synchronisiert werden, damit man von überall Zugriff auf Materialien hat

Nachteile/Problem:
- nicht alle SchülerInnen haben ein eigenes Gerät (Klassen mit Flüchtlingen)
- Facebook ist manchmal verlockender als der Unterricht (-> Vorschlag -> Deswegen könnte der/die Lehrende Facebook in den Unterricht miteinbeziehen, z.B durch die Erstellung einer Gruppe)
- zwei Steckdosen im Klassenraum - Verlängerungskabel als Stolpergefahr
- die Organisation und Betreuung des Prozesses verlangt vom Lehrenden eine große Menge Arbeit, vor, während und nach dem Unterricht -> der Lehrende muss mit der ganzen Technik sehr gut umgehen können und sich ständig über die neuen Updates informieren lassen
OER  (Was ist das? Vorteile, Nachteile/Probleme?)
Was ist das?
frei zugängliche Ressourcen für Bildungszwecke Open Educational Resources)
Vorteile:
lizenzrechtliche Fragestellungen sind geregelt über Creative Commons Lizenzen,
mit dem Vorteil, dass man veröffentlichte Materialien weiterverwenden darf (entsprechend dem angegebenen CC-Status)
Nachteile/Problem:
Ein Problem kann die Qualitätskontrolle sein. Wenn z.B. Kursleitende Arbeitsblätter erstellen und ich so eine Resource weiterverwenden möchte, muss ich selber in der Lage sein, die Qualität des Materials zu bewerten. Bei Verlagen habe ich die Qualitätskontrolle outgesourced ...
Ideen zur Nutzung von online Diensten:
Etherpad (z.B. http://vhspad.de oder http://edupad.ch )
[...]:  eine "Kettengeschichte" erfinden, jede/r hat bestimmte Schlüsselwörter, die eingebaut werden müssen;  Krimi-artig "kooperative Gechichte" schreiben; "Kochrezepte" ausdenken, komplizierte Anweisungen teilen,  :-)...
Einen langweiligen Text interessanter gestalten lassen (z.B. ein Text ohne Adjektive und Konjunktionen vorgeben und ändern lassen) Es bietet sich an mehrere Kopien eines Pads mit dem Text zu erstellen und 3er- oder 4er- Gruppen dann unterschiedliche Links zu den Pads zu geben, damit jede Gruppe einen eigenen Text hat und sich die Verantwortung nicht auf zu viele Lernende verteilt. Sonst macht keiner etwas oder nur sehr wenige ...
Schülerpraktika im Ausland: KoordinatorIn gibt Stichpunkte  vor (typischer Arbeitstag, Unterschiede zw. Gastbetrieb und Ausbildungsbetrieb im EU-Ausland, Freizeitaktivitäten in der Umgebung, erlebte Probleme und Lösungsansätze...). PraktikantInnen bearbeiten die Stichpunkte. Ziele u. a.: Informationen für Handbücher, Abschlussberichte...
Etherpads im Hintergrund laufen lassen, während SchülerInnen sich ein Lernvideo anschauen. (Differenzierte Aufgaben für verschiedene Gruppen).

Im berufsbezogenen DaF offizielle Briefe oder Emails trainieren
Ein Buddysystem für Texterstellung machen. Einer schreibt in einem Pad und gibt den Link für Feedback dann an eine/n andere/n Lerner/in


[...]:
    - zwei Pads erstellen und gleichzeitig den DaF-Schülern verteilen, damit sie einen Aufsatz als Prüfungsvorbereitung schreiben. Dadurch könnte ich eventuell checken, wer wie schnell und wie korrekt schreibt UND hauptsächlich WER danach den Text nochmal liest und eventuell korrigiert. Beispiel: Goethe C1 Prüfung - Schriftlicher Ausdruck
    - bei Gruppenprojekten Interaktivität ermöglichen
    - Thema auswählen und die Schüler darum bitten, eine Szene von einem eigenen Theaterstück aufzuschreiben (genauso wie bei Improvisation in dem normalen, frontalen Unterricht)
als Storyboard, Geschichten schreiben, Fehlerkorrektur, TN korrigieren untereinander, Spiel: wer findet die meisten Fehler :-) , Schnitzeljagd mit verschiedenen pads erstellen,  erstellen
Padlet (http://padlet.com )
Brainstorming
Fragen zu einem Unterrichtsinhalt sammeln
Steckbriefe für Kennenlernrunden
Mindmapping, Verlinkungen auf Aufgaben , Infos, etc..
Vorbereitung auf eine Klassenfahrt. SchülerInnen erhalten Themen (Freizeitgestaltung, Sehenswürdigkeiten...), die bearbeitet werden.
Sammlung von Ressourcen für Unterrichtsthemen (Als Vorbereitung...)
Am Anfang des Schuljahres in einer neuen Klasse: "Was kann ich noch nicht?/Was möchte ich lernen?"
TN können sich als "Experten" bewerben, angesammeltes Wissen/links psten/anbieten, eine Art Tauschbörse ...

Video aufhängen und von allen kommentieren lassen

Mindmeister (http://www.mindmeister.com )
Wortfelder bearbeiten und Bezüge herstellen
Strukturierte Vorbereitung auf Klausuren und Abschlussprüfungen
Essays und längere Texte planen
Unterricht planen
Themenspeicher
Advanced organiser
To-do Liste erstellen (auch Privat)
Projektplanung
Ein lexikalisches Wortfeld "falsch" aufbauen und es von den Schülern korrigieren lassen -> auch über ethapad verwendbar -> Wettbewerb mit Gruppen
Didaktische Jahresplanung mit KollegInnen

learningapps.org (http://learningapps.org )

[...]

Moodle
Bilder frei aus dem Internet
Bildgrößen für Moodle
Wiki
Glossar

Helferlein:
Google Drive zum Veröffentlichen von Dokumenten (evtl. Dropbox)
https://soundcloud.com/ (Zum Veröffentlichen von Ton - MP3) --> als App --> man kann damit aufnehmen
http://de.savefrom.net/ (YouTubeVideos runterladen) --> nur Videos mit CC-Lizenz (kann unter "Show More" gefunden werden)

Sicherere Passwörter        
     ~~~~~~~~~~
Kurstag_2

Der zweite Kurstag war vollständig dem ersten Kennenlernen der Grundfunktionen einer Lernplattform aus der Benutzerperspektive gewidmet.
Gezeigt wurde zunächst, wie wir als fiktive Kursleiter vom Admin ins System geladen wurden. Dann wurde erläutert, wie wir TN einladen, einen Kurs anlegen und diesen in Untereinheiten strukturieren.
Gezeigt wurde die Einbettung von Dateien und externen Apps in die Lernplattform, die Erstellung eines Glossars und eines Wikis.
Abschließend war von den TN eine Aufgabe zu lösen, die die Anwendung einiger neuer Kenntnisse erforderte.
In der Endphase wurde kurz gezeigt, welche Test- und Fragetypen es in der Lernplattform gibt.
~~~~~~~~~~
Nach dem Kurs

Alle TN erhielten vom Kursleiter zwei Aufgaben, die innerhalb zweier Wochen nach dem Kurs zu lösen waren:
~~~~~~~~~~
Kritik

Zunächst ist natürlich anzuerkennen, dass jegliche Einbettung eines derart komplexen Themas in einen derart engen Zeitrahmen Zugeständnisse erfordert und Schwerpunktsetzungen nötig macht.

Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, dass wenigstens kurz über die als Hausaufgabe zu lesenden vorbereitenden Videos und Artikel gesprochen und diskutiert worden wäre. Das war nicht der Fall. Eine entsprechende Anregung wurde nicht aufgegriffen.

Ein angekündigter Inhaltspunkt 'Rechtskonforme Verwendung von OER-Ressourcen' fiel mMn zu knapp aus, weil er sich lediglich um CC-Lizenzierung drehte, nicht jedoch beantwortete, inwiefern die Extrahierung von Vokabellisten aus Lehrwerken und deren öffentliche zugängliche Implementierung in Vokabel-Lern-Apps möglicherweise mit dem Urheberrecht des Lehrwerkautors kollidiert. Hier wurden die TN bewusst in eine Grauzone hineingeschickt.

Der Kursleiter, ein renommierter und europaweit gebuchter E-Learning-Trainer und Experte für eine der verbreitetsten Lernplattformen, stellte zu Beginn des ersten Tages den Kurs vor und fasste ihn mit folgendem (von mir hier aus dem Gedächtnis sinngemäß zitierten) Satz zusammen:

"Wir gehen davon aus, dass Aufwand und Kosten keine Rolle spielen und wir schauen einfach nur, was den Unterricht besser macht."

Das ist ein erstaunliches Statement, das trotz seiner Kürze zwei inhaltlich schwer haltbare oder zumindest sehr diskurswürdige Behauptungen enthält.

Denn
  1. Aufwand und Kosten spielen immer eine Rolle.
  2. Die Frage, ob E-Learning den Unterricht besser macht, ist genauso alt wie E-Learning selbst und nach Ansicht vieler Bildungsforscher bis heute durch keine einzige belastbare Studie belegt.
~~~~~~~~~~
Fazit

Ob E-Learning den Unterricht besser macht, ist gänzlich unbewiesen.
Sicher ist, dass E-Learning den Unterricht z.T. anders macht und ganz fraglos hat das bereits einen gewissen Wert in sich, Stichwort Methodenvielfalt und -wechsel, Stichwort hybride Lernformen / Blended Learning.
Ich persönlich möchte als Lehrer keine einzige der Möglichkeiten missen, die sich durch Internet, IT und neue Medien bieten. Nicht zuletzt ist die Existenz dieser Website Ausdruck dessen.

Sicher ist aber auch, dass das, was im Kern einen gelungenen Vermittlungs-, Aneignungs-, Trainings- und Behaltensprozess ausmacht, nur wenig mit E-Learning zu tun hat.

Sicher ist ebenfalls, dass LehrerInnen immer veranlasst sind, eine sehr konsequente Aufwand-Nutzen-Abwägung vorzunehmen.
Vor diesem Hintergrund wäre der Einsatz einer Lernplattform nur dann vertretbar und potentiell erfolgreich, wenn

(1) die Lernplattform absolut zuverlässig funktioniert
(2) sie nicht nur als Materialablage missbraucht wird (dafür gibts lokalen Webspace oder Dropbox...)
(3) der Einsatz und Mehraufwand insgesamt einen sehr klar erkennbaren Mehrwert erzeugt

Sicher ist zudem, dass zentrale Übungs- und Trainingselemente der Fremdsprachvermittlung mit E-Learning nicht oder nur deutlich eingeschränkt umsetzbar sind.

Ich habe am ersten Kurstag einige vielversprechende Online-Tools kennengelernt, von denen ich sicher einige einsetzen und in meine Kursabläufe integrieren werde.
Der zweite Kurstag hat konkret gezeigt, wie aufwändig die professionelle Handhabung einer Lernplattform ist.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü